Don mit den Buben 1964
... und nochmals unser “Kinderhund”, 1966
Donald, genannt “Don”
von 1957-1970
Der erste Golden Retriever
Rüde in Deutschland
Ein Bericht von Gunhild von Heimendahl
(Zwinger vom Haag)
Um die englische Sprache zu erlernen, ging ich Ende des Sommers 1956 für ein Jahr nach England, ich pflegte und ritt Pferde auf einer Farm in Essex.
Als die Jagdsaison vorüber war und nicht mehr soviel Arbeit anfiel, durfte ich mir einen Hund halten. Am 11.4.1957 wurde im Zwinger “Easton Glebe” ein zehnköpfiger Wurf geboren, darunter sollte auch ein Welpe für mich sein “DON” ! Acht Wochen später sattelte ich “Muffet”, eine schwere Hunterstute, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen ließ, um mir meinen “Don” zu holen. Am Zwinger angekommen traf ich ...Pat Busch! Sie erhielt aus dem gleichen Wurf einen Rüden geschenkt. Keiner von uns ahnte damals, dass es, trotz dem sie einige Zeit später in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte, noch über 20 Jahre dauern würde, bis wir uns wieder begegneten.
Nachdem ich für “Don” 12 Pfund bezahlt hat, 1 Pfund war damals 11,20 DM, reichte man mir den Welpen und ich setzte ihn vor mich in den Sattel. Im Schritt ritten wir zur Farm zurück. Spätestens dort hatte mein kleiner Don genau verstanden, mit welchen großen Tieren er zwangsläufig den Rest seines Lebens verbringen sollte. Da in diesen Monaten die Pferde auf die Koppel gingen, bekam ich noch 400 Fasanenküken zur Aufzucht. Diese Beschäftigung begeisterte Don noch viel mehr, als die Arbeit mit den Pferden. Jetzt war absolute Disziplin verlangt. Ich sprach nur Englisch mit ihm, das kleine Wörtchen “No” mit dem tiefen Vokal, das meine Welpen auch heute noch gleich nach dem Namen lernen, hatte er sofort begriffen. Wenn ich das Wort gebrauchte, wußte er, dass er nicht weiterlaufen durfte oder mit einem für ihn wundervollen Spiel sofort aufhören musste. Wir hatten noch eine herrliche Zeit in England und unsere Bindung wurde immer enger. Tagsüber war Don mit mir unterwegs im Stall und auf den Koppeln, nachts schlief er vor meinem Bett.
Seit damals, seit über 48 Jahren schläft immer noch ein Golden vor meinem Bett. Ende des Sommers gingen wir nach Deutschland zurück. Zu Hause hatte die ganze Familie, einschließlich unserer alten Kinderfrau, diesen schönen, liebenswerten Hund sofort sehr gern. Die Rasse war vollkommen unbekannt. Nur einige Jäger, die schon in England gejagt hatten, kannten Retriever und wußten, das es “der Hund nach dem Schuss” ist.
Früher jagten die Engländer mit 2 Hunden, einem Vorsteh- oder Stöberhund (Springer, Pointer usw.) und einem Retriever (to retrieve = apportieren). Kurz nach unserer Rückkehr aus England hatten Don und ich einen schweren Autounfall. Da ich nicht ansprechbar war, habe ich es meinem Vater zu verdanken, dass Don überhaupt noch lebte. Er sorgte dafür, dass der schwerverletzte Rüde in die Tierklinik am Kaiserberg in Duisburg gebracht wurde. Trotz des Unfalls entwickelte sich Don zu einem großen, kräftigen Rüden, in einer richtigen Goldfarbe, mit besonders schönem Rüdengesicht, der überaus anhänglich war. Er spielte sehr gern und trug, wenn er einen interessanten Gegenstand fand, diesen stundenlang im Fang herum.
Einmal, Don war schon 2 Jahre alt, hatte ich einen Korb mit einem Schlüsselbund darin vor der Brücke im Hof abgestellt, um noch irgendwas aus dem Haus zu holen. Don wartete an dem Korb. Als ich wieder kam, war der Schlüsselbund fort. Don saß an der Böschung über dem Weiher und bellte. Ich dachte, es sei ein weggetauchtes Wasserhuhn oder so etwas ähnliches. Eine Weile wurde überall nach dem Schlüsselbund gesucht. Don saß immer noch am Weiher und schaute sehnsüchtig in das Wasser. Als ich ihn aufforderte, uns suchen zu helfen, sprang er ins Wasser und brachte in mir.
Im Jahr 1960, inzwischen hatte ich geheiratet, Don und ich waren samt Pferd auf ein anderes Gut in der Nähe von Krefeld umgezogen, begleitete er eine Freundin von mir, die er sehr mochte, auf einem Ausritt. Don lief gerne mit dem Pferd, ging erstklassig “bei Huf” was etwas schwieriger ist als “bei Fuß”. An einer für damalige Verhältnisse belebten Strasse, scheute das Pferd und stürzte. Meine Freundin blieb verletzt liegen, das Pferd sprang auf und rannte verängstigt in Richtung Stall. Don kuschelte sich an das am Boden liegende Mädchen, bis der Rettungswagen mit dem Unfallarzt eintraf. Die herbeiströmenden Neugierigen wurden von dem Rüden auf Distanz gehalten. Meine Freundin erhielt einige Jahre später einen Enkel von meinem Don und hat seit der Zeit immer einen Golden.
Durch die Zeitschrift “Wild und Hund” wurde endlich 1962 eine, aus Amerika importierte Hündin für Don gefunden. “Cragmounts Tessa” gehörte Dr. Heraeus in Hanau und im Oktober des gleichen Jahres erschien Frau Goerz-Oberhofer mit Tessa bei uns. Es gab noch keinen DRC oder GRC, folglich auch keinen Wesenstest, Formwertbeurteilung und Zuchtzulassung. Tessa wurde tragend. Da Dr. Heraeus und seine Frau keine Zeit hatten, kam “Tessa” zum Welpen wieder zu uns. Sie warf 10 gesunde Welpen. Den schönsten Rüden “Axel” bekam Dr. Heraeus und gründete damit später den Zwinger “Von der Schwindefurt”. Eine Hündin “Bessie” behielten wir, leider fehlte ihr P1. Im Gegensatz zu heute durften wir wegen dieses fehlenden Zahns nicht mit ihr züchten. Sie wurde jagdlich geführt. Damals war es nicht so einfach wie heute, wo wir uns die Käufer im Sinne von unseren Hunden aussuchen können. Da die Rasse so unbekannt war, gingen alle anderen Welpen an Jäger. Begeistere Briefe erhielten wir von den neuen Besitzern, besonders über 2 Rüden, die an das Wattenmeer nach Holstein für die Entenjagd gegangen waren.
Erst im darauffolgenden Jahr wurde in einem Hotel in Hanau der “Deutsche Retriever Club e.V.” gegründet. (Nachzulesen in “Das Rasse- Portrait 4. Golden Retriever” von Pat Busch.) Dr. Heraeus, Oberförster Bernhard, Frau Goerz-Oberdorfer, mein damaliger Mann und noch einige weitere Herren waren die Gründungsmitglieder. Don und ich saßen auch in der kleinen Runde. Wir fanden alles vollkommen richtig und auch wichtig, hatten aber keine Stimme. Für mich war damals die Emanzipation noch nicht so weit fortgeschritten. Um die Rasse bekannter zu machen, haben wir alles mögliche unternommen, z.B. saß Don einen Monat “Modell” bei Studenten der Werkkunstschule in Krefeld.
Das schönst Portrait von ihnen bekam ich geschenkt. Es hängt jetzt bei meinem Sohn in England, der dort als Tierarzt arbeitet. Ganz sicher war bei seiner Berufswahl der Einfluß der Hunde auch ein wenig ausschlaggebend. Wegen seiner Freundlichkeit und seiner Belastbarkeit konnte Don auch Mitte der sechziger Jahre soziale Aufgaben übernehmen. Nicht nur, dass er sich gerne und ausgiebig als Babysitter beschäftigte, er ging auch mit mir alle 14 Tage in eine Altenstube, d.h. ich kochte Kaffee, spielte Karten mit den alten Leuten und redete mit ihnen. Mit seinem lieben Charme unterhielt Don die alten Menschen, ich brauchte nur Kaffee zu kochen. Wenn meine Kinder oder meine Schwiegerfamilie mal etwas gegen die Hunde äußerten, entgegnete ich sofort, “Halt, die waren vor Euch da!”
Im Alter von 13 Jahre erkrankte Don an Krebs. Niemals vor ihm noch nach ihm hat ein Hund so sehr sein Leben mit mir geteilt, wie mein Don.
Gunhild von Heimendahl
Zwinger vom Haag